Am 29. März 2017 gab das Vereinigte Königreich bekannt, aus der EU austreten zu wollen. Um für den EU-Austritt vorbereitet zu sein und diesen so reibungslos wie möglich zu gestalten, haben die EU und das Vereinigte Königreich ein „Austrittsabkommen“ sowie eine politische Erklärung über das künftige Verhältnis ausverhandelt. Nachdem dieses Abkommen am 15. Jänner 2019 vom britischen Parlament abgelehnt wurde, ergeben sich folgende mögliche Szenarien für den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs:

Geregelter EU-Austritt / deal

Stimmt das britische Parlament dem Austrittsabkommen noch zu, kann das Vereinigte Königreich plangemäß per Ende März 2019 aus der EU austreten. In Folge würde das Vereinigte Königreich während der „Übergangsphase“ bis Ende 2020 im Wesentlichen wie ein EU-Mitgliedstaat behandelt werden. Im Wirkungsbereich des BMF sind damit vorerst keine wesentlichen Änderungen für Unternehmen zu erwarten.
Im Anschluss soll das Inkrafttreten eines Abkommens über das künftige Verhältnis (Freihandelsabkommen) bis 1. Jänner 2021 ermöglicht werden. Sollte diesbezüglich keine Einigung gefunden werden, kann entweder die Übergangsphase um bis zu zwei Jahre verlängert werden oder die sogenannte „backstop-Lösung“ zur Vermeidung einer „harten“ Grenze zwischen Irland und Nordirland Anwendung finden.
Das Vereinigte Königreich könnte um die Verlängerung der Verhandlungen mit der EU ansuchen; stimmen dem alle anderen EU-Mitgliedstaaten zu, kann der EU-Austritt damit um bis zu einem Jahr verlängert werden.
Des Weiteren hat Großbritannien aufgrund der Rechtsprechung des EuGH die Möglichkeit, seine Absichtserklärung über den EU-Austritt, bis zum 29. März 2019 bzw. im Falle einer Verlängerung der Verhandlungen auch bis zum Ende der neuen Frist einseitig zurückzuziehen.  

Ungeregelter EU-Austritt / no deal

Sollte das Vereinigte Königreich keine der genannten Schritte setzen, würde es plangemäß per Ende März 2019 aus der EU austreten – jedoch ohne „Übergangsphase“ und andere Regelungen. Dies bedeutet, dass das Vereinigte Königreich mit sofortiger Wirkung als Drittstaat zu behandeln ist. Damit geht eine Reihe von Änderungen für Unternehmen – diese betrifft v.a. die Bereiche Zoll, Steuern und Finanzdienstleistungen.

Zoll

Im Fall eines ungeregelten Brexit des Vereinigten Königreichs gelten für den Warenverkehr zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU ab dem 30. März 2019, 00:00 MEZ/CET, ohne Übergangsfrist die allgemeinen zollrechtlichen Bestimmungen für Drittländer.
Ab sofort werden dann Zollabfertigungen und -kontrollen durchgeführt, bei denen die Zollsätze nach der Kombinierten Nomenklatur zur Anwendung kommen. Bestimme Waren unterliegen bei der Einfuhr aus dem Vereinigten Königreich oder bei der Ausfuhr in das Vereinigte Königreich überdies Verboten und Beschränkungen.
Ebenfalls zu berücksichtigen ist für den kommerziellen Warenverkehr, dass bei einem ungeregelten Brexit sämtliche im Vereinigten Königreich erteilten Bewilligungen für spezielle Zollverfahren ungültig werden. Diese sollten von Wirtschaftstreibenden daher, wenn die Bewilligungen für die gesamte EU nur im Vereinigten Königreich beantragt waren, rechtzeitig in Österreich oder in einem anderen Mitgliedstaat bzw. für die Abwicklung im Vereinigten Königreich dort neu beantragt werden.

Die wichtigsten Maßnahmen für den kommerziellen Warenverkehr:

  • Beantragung einer EORI-Nummer, um mit Drittstaaten Handel betreiben zu können 
  • Zollanmelder müssen in der Regel in der EU ansässig sein. Vertretungen für die Zollförmlichkeiten z.B. durch Spediteure sind möglich. 
  • Entsprechende Software für die Abgabe der Zollanmeldungen. 
  • Es wird empfohlen, eine Bewilligung zum „zugelassenen Versender bzw. Empfänger“ im Versandverfahren zu beantragen oder einen Spediteur zu beauftragen, der über so eine Bewilligung verfügt. Dadurch kann der Eingang an der Außengrenze der EU vom Vereinigten Königreich insofern beschleunigt werden, als die eigentlichen Zollformalitäten zum konkreten Bestimmungsort der betroffenen Warensendung verschoben werden. 

Steuern

Im Verhältnis zum Vereinigten Königreich findet derzeit das Doppelbesteuerungsabkommen vom 30. April 1969, BGBl. Nr. 390/1970 idF BGBl. III Nr. 135/2010, für Zwecke der Vermeidung einer internationalen Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen Anwendung. Am 23. Oktober 2018 wurde in Wien ein neues Doppelbesteuerungsabkommen unterzeichnet, welches auf österreichischer Seite derzeit in parlamentarischer Behandlung ist. Laut jüngsten Informationen des britischen Finanzministeriums soll das neue Abkommen im Februar bzw. März 2019 im Vereinigten Königreich ratifiziert werden.  

Ertragsteuern

Im Bereich der Ertragsteuern ist das Vereinigte Königreich nach einem ungeregelten Brexit künftig wie ein Drittstaat zu behandeln. Sämtliche begünstigende Bestimmungen, die nur im Verhältnis zu EU/EWR-Staaten in Anspruch genommen werden können, finden daher für Vorgänge, die nach dem Eintritt des Brexit stattfinden, keine Anwendung mehr.   

Für Unternehmen ergeben sich in Bezug auf die Wegzugsbesteuerung sowohl nach den Bestimmungen des EStG 1988 als auch des UmgrStG folgende Änderungen: Im Falle eines Wegzugs nach Eintritt des Brexit kommt es künftig zur sofortigen Besteuerung. Dementsprechend kann im betrieblichen Bereich ein Antrag auf Ratenzahlung nicht mehr gestellt werden. Dies gilt für alle betrieblichen Wegzugsfälle gemäß § 6 Z 6 EStG 1988, die nach dem Ausscheiden des Vereinigten Königreichs erfolgen, sowie für Umgründungen iSd UmgrStG, die nach dem Ausscheiden des Vereinigten Königreichs beschlossen oder vertraglich unterfertigt werden. 

Für Unternehmen, die allerdings bereits vor Eintritt des Brexit in das Vereinigte Königreich weggezogen sind, und die anlässlich des Wegzugs vor 2016 die Nichtfestsetzung bzw. ab 2016 die Ratenzahlung der Steuer beantragt haben, führt der spätere Brexit jedoch zu keiner sofortigen Besteuerung bzw. zu keiner sofortigen Fälligstellung offener Raten. Dies gilt auch, wenn die Wegzugsteuer für Umgründungen iSd UmgrStG, die vor dem Eintritt des Brexit beschlossen oder vertraglich unterfertigt werden, nicht festgesetzt worden ist oder in Raten entrichtet werden kann.

Für Unternehmen entfallen mit Eintritt des Brexit auch die Vorschriften aus der Mutter-Tochter-Richtlinie, der Zins- und Lizenzgebühren-Richtlinie und der Fusionsrichtlinie im Verhältnis zu dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland: Für österreichische Unternehmen mit verbundenen Unternehmen in dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland bzw. für britische Unternehmen mit verbundenen Unternehmen in Österreich betrifft dies die Inanspruchnahme der Quellensteuerfreiheit für Dividenden gemäß § 94 Z 2 EStG 1988 sowie der Quellensteuerfreiheit für Zinsen und Lizenzgebühren gemäß § 99a EStG 1988. Diesbezüglich sind hinsichtlich Dividenden, Zinsen und Lizenzen vergleichbare Regelungen in dem neuen Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland vorgesehen, welche in Bezug auf die österreichischen Steuern mit 1. Jänner 2020 Anwendung finden, sofern das Abkommen noch heuer in Kraft tritt.

Es ist derzeit nicht abschätzbar, wann die Ratifikation durch das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland erfolgen wird. In der Übergangsphase zwischen dem Austritt des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland aus der Europäischen Union und der Anwendung des neuen Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Österreich und dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland sind die Regelungen des derzeit noch geltenden Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Österreich und dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland, BGBl. Nr. 390/1970 idF BGBl. III Nr. 135/2010, anwendbar, welches keine vergleichbaren Begünstigungen vorsieht. Mit Eintritt des Brexit besteht für österreichische Unternehmen (Kapitalgesellschaften oder Genossenschaften) für Einbringungen in eine britische Gesellschaft auch nicht mehr die Möglichkeit der grenzüberschreitenden Einbringung von Kapitalanteilen zu Buchwerten (sogenannter „Anteilstausch“ gemäß § 16 Abs. 1a UmgrStG). 

Umsatzsteuer

Im Falle eines ungeregelten Brexit, kommt es – insbesondere bei grenzüberschreitenden Leistungsbeziehungen – bei folgenden Themenkreisen zu einer geänderten rechtlichen Beurteilung, die sich grundsätzlich unmittelbar aus dem Umsatzsteuergesetz (UStG 1994) ergeben und Unternehmer betreffen: 

1. Innergemeinschaftliche Lieferung/Ausfuhrlieferung

Nach dem Brexit treten bei Lieferungen in das Vereinigte Königreich (echt steuerfreie) Ausfuhrlieferungen (§ 6 Abs. 1 Z 1 iVm § 7 Abs. 1 UStG 1994) an die Stelle von (echt steuerfreien) innergemeinschaftlichen Lieferungen (Art. 6 Abs. 1 iVm Art. 7 Abs. 1 UStG 1994).Hinsichtlich des Spezialfalles, dass die Warenbewegung im Rahmen einer Lieferung vor dem Brexit begonnen hat und sich der Gegenstand der Lieferung zum Zeitpunkt des Brexit bereits im Vereinigten Königreich befindet (hinsichtlich des zeitlichen und sachlichen Zusammenhangs bei Lieferungen siehe UStR Rz 3982), kann der Nachweis der Steuerbefreiung – weil ein Ausfuhrnachweis faktisch nicht (mehr) möglich ist – wie beim Nachweis der steuerfreien innergemeinschaftlichen Lieferung erfolgen (siehe Verordnung BGBl. Nr. 401/1996 idgF).

2. Innergemeinschaftlicher Erwerb/Einfuhr

Nach dem Brexit entfaltet bei Lieferungen aus dem Vereinigten Königreich grundsätzlich der umsatzsteuerliche Tatbestand der Einfuhr (§ 1 Abs. 1 Z 3 UStG 1994) Rechtswirkungen. Gleiches gilt für die Verlagerung des Lieferortes nach § 3 Abs. 9 UStG 1994 bzw. die Abfuhrverpflichtung (Haftung) gemäß § 27 Abs. 4 UStG 1994. Im B2B-Bereich tritt dieser quasi an die Stelle des innergemeinschaftlichen Erwerbs (Art. 1 UStG 1994). Der Vorsteuerabzug ist hierbei unter den allgemeinen Grundsätzen nach § 12 Abs. 1 Z 2 UStG 1994 möglich.

Hat die Lieferung von Waren bereits vor dem Brexit begonnen, wird diese Lieferung als innergemeinschaftlicher Erwerb angesehen, wenn die Ware sich bereits in Österreich befindet.

3. Zusammenfassende Meldung (ZM)

Nach dem Brexit ist bei grenzüberschreitenden Leistungsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich die Abgabe von ZMs nicht mehr erforderlich.

4. Dreiecksgeschäfte

Nach dem Brexit ist die Vereinfachungsregelung des Dreiecksgeschäfts nur mehr eingeschränkt möglich.

5. MOSS/Drittlandsschema bzw. keine Vereinfachung

Nach dem Brexit kann MOSS (Österreich als MSI) für Umsätze in das Vereinigte Königreich nicht mehr angewendet werden. Die im Vereinigten Königreich steuerbaren Umsätze sind nach den im (zukünftigen) Drittland vorgesehenen Regelungen zu behandeln.

Bei Umsätzen gemäß § 3a Abs. 13 UStG 1994 aus dem Vereinigten Königreich nach Österreich ist es zweckmäßig, dass der Austritt wie eine Verlagerung der Betriebsstätte in ein Drittland angesehen wird („Drittlandsschema“ gemäß § 25a UStG 1994 statt „EU-Schema“ Art. 25a UStG 1994).

6. Katalogleistungen B2C

Leistungen gemäß § 3a Abs. 14 UStG 1994 („Katalogleistungen“) an Nichtunternehmer iSd § 3a Abs. 5 Z 3 UStG 1994, die im Vereinigten Königreich (und nicht in der EU) ansässig sind, sind mit dem Brexit nicht am Unternehmerort (Inland, § 3a Abs. 7 UStG 1994), sondern im Vereinigten Königreich steuerbar. Bei Dauerleistungen hat die Abgrenzung entsprechend UStR Rz 2619 ff. zu erfolgen.

7. Verlagerung Leistungsort

Nach dem Brexit kann es gemäß § 3a Abs. 15 und 16 UStG 1994 zu Verlagerungen des Leistungsortes kommen.

8. Innergemeinschaftliche Güterbeförderung und innergemeinschaftliche Bordlieferungen/Restaurantleistungen

Nach dem Brexit sind innergemeinschaftliche Güterbeförderungsleistungen an Nichtunternehmer iSd § 3a Abs. 5 Z 3 UStG 1994 nicht mehr am Abgangsort (Art. 3a Abs. 1 UStG 1994) sondern entsprechend der Beförderungsstrecke (§ 3a Abs. 10 UStG 1994) steuerbar. Auch ist der Abgangsort nicht mehr der Leistungsort bei der Lieferung von Gegenständen an Bord eines Schiffes/Luftfahrzeuges/einer Eisenbahn. Hier ist auf die allgemeinen Lieferortregelungen (§ 3 Abs.7 f. UStG 1994) zurückzugreifen. Bei innergemeinschaftlichen Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen ist statt dem Abgangsort der Leistungsort gemäß § 3a Abs. 11 lit. d UStG 1994 (Tätigkeitsort) maßgeblich.

9. Rechnungslegung bei im Vereinigten Königreich steuerbaren B2B-Dienstleistungen

Nach dem Brexit richtet sich die Rechnungslegung im Falle von im Vereinigten Königreich steuerbaren B2B-Dienstleistungen nicht mehr nur nach dem UStG 1994 sondern auch nach den (zukünftig) drittländischen Vorschriften.

10. Fiskalvertreter

Nach dem Brexit kann es für Unternehmer aus dem Vereinigten Königreich erforderlich sein, einen Fiskalvertreter gemäß § 27 Abs. 7 UStG 1994 zu bestellen. Ob das Vereinigte Königreich eine vergleichbare Regelung vorsehen würde, kann nicht beurteilt werden.

11. § 48 BAO

Nach dem Brexit kann es vermehrt zu Fällen des § 48 Bundesabgabenordnung (BAO) kommen, weil nicht sicher ist, ob das Vereinigte Königreich vergleichbare Regelungen hinsichtlich der Steuerpflicht von im Inland (bzw. der EU) unecht befreiten Umsätzen vorsieht.


Finanzdienstleistungsunternehmen und Marktinfrastrukturen

Allgemeine Informationen

Im Bereich der Finanzdienstleistungen und Marktinfrastrukturen ist das Vereinigte Königreich nach einem ungeregelten Brexit künftig wie ein Drittstaat zu behandeln. In den einschlägigen nationalen Rechtsvorschriften (BWG, VAG, WAG 2018, ZaDiG 2018, FM-GwG, InvFG, BaSAG etc.), Verordnungen der Finanzmarktaufsicht und den EU-Rechtsvorschriften – so nichts anderes festgelegt ist – sind Verweise auf Drittstaaten so zu lesen, dass sie das Vereinigte Königreich mitumfassen.

Sämtliche begünstigende Bestimmungen wiederum, die nur im Verhältnis zu EU/EWR-Staaten in Anspruch genommen werden können, finden für Vorgänge, die nach dem Eintritt des Brexit mit dem Vereinigten Königreich stattfinden, keine Anwendung mehr.

Finanzdienstleistungsunternehmen und Marktinfrastrukturen, die derzeit geschäftliche Tätigkeiten durch Inanspruchnahme der Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit zwischen dem Vereinigten Königreich und einem anderen Mitgliedstaat der EU unterhalten, werden jedenfalls durch den Brexit betroffen sein. Dies betrifft insbesondere:

  • Unternehmen und Fonds, die eine Niederlassung im Vereinigten Königreich haben und in der EU unternehmerische Tätigkeiten entfalten.
  • Unternehmen und Fonds mit Niederlassung in einem EU-Mitgliedsstaat, die unternehmerische Tätigkeiten im Vereinigten Königreich entfalten.

Vorbereitung auf den Brexit

Finanzdienstleistungsunternehmen und Marktinfrastrukturen sollten sich angemessen und umfassend in Einklang mit einschlägigen Rechtsmaterien auf die Chancen und Risiken des Brexit vorbereiten, um mögliche Risiken abzubilden, zu steuern und zu begrenzen.

Auch die Aufsichtsbehörden sind angehalten, die Angemessenheit der Vorbereitung von Finanzdienstleistungsunternehmen und Marktinfrastrukturen auf den Brexit zu überprüfen. So listet beispielsweise die Europäische Zentralbank als eine ihrer Prioritäten für 2019 die Überprüfung der Angemessenheit der bankinternen Vorbereitungspläne auf den Brexit auf: Brexit-Vorbereitung als Priorität der EZB für 2019.

Abfederung des Brexit durch diverse Maßnahmen seitens der EU

Die Europäische Kommission, die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA), Europäische Bankaufsichtsbehörde (EBA) und die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) haben Maßnahmen veröffentlicht, die die Funktionstüchtigkeit der Finanzmarktinfrastrukturen auch im Fall eines ungeregelten Brexit sicherstellen soll. Neben einer zeitlich befristeten und bedingten Anerkennung von zentralen Gegenparteien (CCPs) und Zentralverwahrern (CSDs) – soweit dies zur Vermeidung von Risiken für die Finanzmarktstabilität nötig ist – sind zeitlich befristete Ausnahmen von der Clearing-Pflicht sowie von Einschussanforderungen im Fall einer Übertragung von Derivaten von einer britischen Gegenpartei auf eine EU 27-Gegenpartei vorgesehen.

Abfederung des Brexit durch diverse Maßnahmen seitens des Vereinigten Königreichs

Das britische Finanzministerium (HM Treasury) hat Informationen veröffentlicht, wie das HM Treasury, z.B. durch den „European Union (Withdrawal) Act”, dazu beitragen will, ein funktionstüchtiges Regelwerk für Finanzdienstleistungen in allen Szenarien des Austritts im März 2019 sicherzustellen:

  • o Informationen zu Rechtsakten und Entwürfen für UK-Rechtsakte, die den Übergang in die geänderte Beziehung zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich erleichtern sollen
  • o Die britische Finanzmarktaufsichtsbehörde (Financial Conduct Authority – FCA) hat unter anderem Leitlinien für Unternehmen veröffentlicht, die diese bei der Vorbereitung auf den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU unterstützen sollen.

Zeitlich befristete Genehmigungen

Für EU-Finanzdienstleistungsunternehmen und EU-Fonds, die Beziehungen mit dem Vereinigten Königreich unterhalten, ist insbesondere die Möglichkeit zeitlich befristeter Genehmigungen zu beachten. Diese Möglichkeit ist insbesondere im Fall eines ungeregelten Brexit von Bedeutung, da nur bei Vorliegen einer solchen Genehmigung eine vorübergehende Fortführung der geschäftlichen Tätigkeiten innerhalb des Rahmens bestehender Bewilligungen nach dem 29. März 2019 ermöglicht wird. Auch EU-Fonds können nur bei Vorliegen einer solchen Bewilligung weiterhin im Vereinigten Königreich vertrieben werden.

Die Notenbank des Vereinigten Königreichs (Bank of England – BoE) informiert über die Registrierung für EWR-Banken und EWR-Versicherungsunternehmen. Nur bei Vorliegen einer befristeten Genehmigung der BoE ist es EWR-Banken und EWR-Versicherungsunternehmen auch nach dem 29. März 2019 möglich, zeitlich begrenzt die Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit in weitgehendem Einklang mit dem bisherigen Regime im Vereinigten Königreich in Anspruch zu nehmen.

Zweigniederlassungen im Vereinigten Königreich

Unternehmen, die eine Zweigniederlassung im Vereinigten Königreich im Falle eines ungeregelten Brexit aufbauen oder fortführen möchten, benötigen eine Bewilligung der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) bzw. Europäischen Zentralbank (EZB) und sollten mit diesen Institutionen diesfalls Kontakt aufnehmen. 

Informationspflichten von Finanzdienstleistungsunternehmen

Die zentralen EU-Aufsichtsbehörden und Standardsetzer EBA, ESMA und EIOPA weisen auf die Bedeutung der umfassenden und korrekten Information von Kundinnen und Kunden hin und formulieren Erwartungshaltungen an nationale und EU-Aufsichtsbehörden hinsichtlich einer Informationspflicht von Finanzdienstleistungsunternehmen gegenüber ihren Kundinnen und Kunden.

Die Europäische Bankaufsichtsbehörde EBA erwartet von den Finanzdienstleistungsunternehmen, dass diese Ihre Kunden und Kundinnen über folgendes zum Brexit informiert:

  • Auswirkungen des Brexit,
  • getroffene Maßnahmen, um Beeinträchtigungen zu verhindern,
  • Umstrukturierungs- und Vorbereitungsaktivitäten des Unternehmens, insbesondere alle relevanten Änderungen der Vertragsbedingungen,
  • vertragliche und gesetzliche Rechte.

Der österreichische Gesetzgeber hat zudem eine Verpflichtung für Versicherungsunternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich umgesetzt, um sicherzustellen, das Versicherungsnehmer vor Vertragsabschluss und während der Laufzeit des Versicherungsvertrages auch über die Auswirkungen des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union informiert und diese Informationen gegebenenfalls unverzüglich zu aktualisiert werden.

Finanzdienstleistungsvertragsregime

Das Finanzdienstleistungsvertragsregime („Financial Services Contracts Regime”) der Bank of England (BoE) wiederum soll sicherstellen, dass jene EWR-Finanzdienstleistungsunternehmen, die sich gegen eine befristete Genehmigung (temporary permission regime – TPR) entscheiden, und jene Unternehmen, die das TPR-Regime ohne Bewilligung der BoE verlassen, ihre Geschäftstätigkeiten im Vereinigten Königreich ordnungsgemäß abwickeln können. 

Grundsätzlich kann aber der Verlust des Zugangs zu Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit in der EU durch den Brexit bei vertraglichen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich die Vertragskontinuität beeinträchtigen. Bei Verträgen, die dem Recht des Vereinigten Königreichs unterliegen bzw. die Anwendbarkeit dieses Rechts vorsehen oder eine Vereinbarung über die Zuständigkeit eines Gerichts im Vereinigten Königreich enthalten, sollten die Vertragsparteien die Auswirkungen des Brexit auf die Gültigkeit und die Durchsetzbarkeit dieser Verträge prüfen und mögliche Risiken, einschließlich jener ihrer Kunden, begrenzen.

Datenübermittlung

Finanzdienstleistungsunternehmen haben zu klären, ob ein Datentransfer persönlicher Daten mit dem Vereinigten Königreich erfolgt. Bis zu einer endgültigen Klarstellung seitens der hierfür zuständigen Stellen wäre insbesondere folgendes zu bedenken:

  • Das Ausmaß, in dem die Unternehmen abhängig vom Transfer persönlicher Daten ist (z.B. der Sitz von Datenbanken und Datenverarbeitungszentren);
  • Welchen konkreten Risiken ihr Unternehmen ausgesetzt ist, wenn keine umfassende zentrale Lösung für den Transfer persönlicher Daten mit dem Vereinigten Königreich gefunden wird und welche Maßnahmen zu setzen sind, um diese Risiken entsprechend zu adressieren.

Insbesondere Unternehmen, die bisher nur auf innergemeinschaftlicher Basis am Warenverkehr mit dem Vereinigten Königreich teilgenommen haben, sollten sich so rasch als möglich mit den nötigen Zollformalitäten vertraut machen, um für einen ungeregelten Brexit gerüstet zu sein.

Ihr UNICONSULT-Berater ist auch für diese Fragestellung der richtige Ansprechpartner.

 

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