Im Zuge des Steuerreformgesetzes 2020 (StRefG 2020) wurden verschiedene Maßnahmen der geplanten Steuerreform beschlossen.  Ein Bestandteil davon ist die Erhöhung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG), die in § 13 Einkommensteuergesetz geregelt sind.

Allgemeines

Grundsätzlich wird an der steuerlichen Behandlung von geringwertigen Wirtschaftsgütern nichts verändert. Lediglich die Grenze, die eine sofortige Abschreibung im Jahr der Anschaffung ermöglicht, wird von 400 € auf 800 € erhöht. Sämtliche sonstige Bestimmungen und Anwendungsvoraussetzung des § 13 EStG bleiben bestehen. Anwendung findet die Neuregelung für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2019 beginnen. Die Erhöhung der Grenze auf 800 € wird vom Gesetzgeber als Steuerentlastung und Investitionsanreiz beworben. 

Steuerliche Auswirkung

Bei Anschaffungen von Wirtschaftsgütern schreibt das Einkommensteuergesetz eine Verteilung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten auf die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer vor. Eine Ausnahme davon bilden die geringwertigen Wirtschaftsgüter. Ab 1.1.2020 können Wirtschaftsgüter bis 800 € zur Gänze im Jahr der Anschaffung als Betriebsausgabe abgezogen werden. Der sofortige Betriebsausgabenabzug senkt den Durchschnittssteuersatz des Anschaffungsjahres. Wird die steuerliche Sofortabschreibung nicht in Anspruch genommen, kommt es zur Verteilung der Betriebsausgaben und somit auch zur Verteilung der Steuerentlastung auf mehrere Jahre. Eine echte Steuerentlastung wird dadurch nicht generiert. 

Die Sofortabschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern ist weiterhin ein Wahlrecht des Steuerpflichtigen und kann je nach Bedarf ausgeübt werden. Dadurch bestehen Gestaltungsmöglichkeiten für Unternehmer, um die geringste Steuerbelastung durch optimale Abschreibungsmodalitäten zu erreichen. Der sogenannte Progressionseffekt der Einkommensteuer ist hier zu beachten. In den niedrigeren Einkommensstufen steigt der Durchschnittssteuersatz relativ schnell an. In Gewinnstarken Jahren wird die Sofortabschreibung deshalb sinnvoll sein, um den Durchschnittssteuersatz entsprechend senken zu können. Andererseits kann bei konstanten steuerlichen Gewinnen auch eine Verteilung des steuerlichen Aufwandes über die Nutzungsdauer Vorteile bringen, um Sprünge in den Durchschnittssteuersätzen zu vermeiden.

Auswirkungen auf den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag

Die Neuregelung der geringwertigen Wirtschaftsgüter hat auch indirekte Auswirkungen auf den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag. Übersteigt der Gewinn natürlicher Personen in einem Wirtschaftsjahr 30.000 €, muss für die Inanspruchnahme des investitionsbedingten Gewinnfreibetrags in begünstigte Wirtschaftsgüter investiert werden. Investitionen in geringwertige Wirtschaftsgüter gemäß § 13 EStG sind jedoch nicht zulässig. Wird die Möglichkeit der Sofortabschreibung in Anspruch genommen, muss eine alternative Investition getätigt werden, um die Steuerersparnis des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages nicht zu verlieren.

Kurz zusammengefasst

Die Erhöhung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter von 400 € auf 800 € ist durch das zeitliche Vorziehen des steuerlichen Aufwands als Liquiditätsvorteil zu werten. Weiters kann die Steuerbelastung durch das Ausüben des Wahlrechts der Sofortabschreibung optimiert werden. Die Vorteile der Sofortabschreibung müssen jedoch mit dem zusätzlichen Investitionsbedarf für die Inanspruchnahme des investitionsbedingten Gewinnfreibetrags gegenübergestellt werden. Es wird im Einzelfall zu beurteilen sein, ob eine Sofortabschreibung der geringwertigen Wirtschaftsgüter sinnvoll ist.

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