Die Steuerreform 2020 brachte einige Änderungen mit sich. Ein wichtiger Punkt betrifft die Anhebung der Grenze für die Umsatzsteuerbefreiung für Kleinunternehmer. 

Als Kleinunternehmer gelten Unternehmer, die ihr Unternehmen im Inland betreiben und deren jährlicher Umsatz € 35.000 nicht überschreitet. Kleinunternehmer sind von der Umsatzsteuer befreit.

Ab dem 1.1.2020 liegt die Kleinunternehmergrenze bei € 35.000 (Vorjahre: € 30.000). Nach der Judikatur des VwGH ist darunter der Nettoumsatz zu verstehen. Das bedeutet, dass bei Umsätzen, die unter den Regelsteuersatz von 20 % fallen, Umsätze bis € 42.000 Euro den Kleinunternehmerstatus im Jahr 2020 vermitteln. Die Kleinunternehmergrenze hängt vom Gesamtumsatz ab, wodurch im Falle verschiedener ausgeübter unternehmerischer Tätigkeiten (wie z.B. Gewerbebetrieb, Vermietung, Land und Forstwirtschaft) die Umsätze zusammenzurechnen sind. 

In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass seit 01.01.2017 für die Ermittlung der Kleinunternehmergrenze bestimmte steuerfreie Umsätze (wie z.B. aus ärztlicher Tätigkeit) nicht mehr berücksichtigt werden müssen. 

Da die Bemessung der Kleinunternehmergrenze auf Basis der vereinnahmten Entgelte eines Jahres erfolgt, kann es von Vorteil sein, den Zufluss von Umsätzen in das nächste Kalenderjahr zu verschieben, sofern dies möglich ist. Hierbei ist anzumerken, dass die Umsatzgrenze innerhalb von fünf Jahren nur ein einziges Mal um 15 % überschritten werden darf. Bei der Berechnung der Toleranzgrenze sind die vereinnahmten Brutto-Umsätze heranzuziehen. 

Die Nutzung der Kleinunternehmerregelung ist insbesondere dann von Vorteil, wenn der Auftraggeber nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt ist.

Sofern die Anwendung der Kleinunternehmerregelung nachteilig sein sollte (z.B. wegen hoher Vorsteuern bei der Gründung oder beispielweise, wenn die Auftraggeber vorsteuerabzugsberechtigt sind), besteht die Möglichkeit zur Option zur Regelbesteuerung. Diesbezüglich ist zu beachten, dass eine Bindungsfrist von fünf Jahren besteht. Ein Widerruf der Optionserklärung ist frühestens nach dieser Bindungsfrist möglich.

Im Rahmen der Rechnungsausstellung unter Verwendung der Kleinunternehmerregelung darf keine Umsatzsteuer in der Ausgangsrechnung ausgewiesen werden. Sollte die Ausgangsrechnung die Umsatzsteuer enthalten, so muss diese trotz der Umsatzsteuerbefreiung an das Finanzamt abgeführt werden. Die Vorsteuer darf weiterhin nicht in Abzug gebracht werden.

Aus diesem Grund hat der Kleinunternehmer in der Ausgangsrechnung auf die Steuerfreiheit hinzuweisen. Diese könnte zum Beispiel folgendermaßen lauten: „Umsatzsteuerfrei aufgrund der Kleinunternehmerregelung“.  

Unter bestimmten Voraussetzungen können Kleinunternehmer eine Ausnahme bezüglich Kranken- und Pensionsversicherung nach dem gsewerblichen Sozialversicherungsgesetz (GSVG) erwirken, sodass man nur noch zur Bezahlung des Unfallversicherungsbeitrages verpflichtet ist. 

Damit man als Kleinunternehmer eingestuft wird, sind folgende Kriterien zu erfüllen: 

  • Der Gewinn aus unternehmerischer Tätigkeit darf € 5.527,92 (Vorjahr: € 5.361,72) nicht überschreiten.
  • Zugleich darf der jährliche Umsatz aus sämtlichen unternehmerischen Tätigkeiten den Betrag von € 35.000 netto (Vorjahr: € 30.000) nicht übersteigen.

Fazit:  

Die Kleinunternehmerregelung ist eine Kann-Bestimmung, folglich ist die Inanspruchnahme nicht verpflichtend. Sie hat den Vorteil, dass sich sowohl die Rechnungsausstellung als auch der Aufwand für die Steuererklärung als einfacher erweisen.  

Falls sich die Leistungsempfänger überwiegend aus Privatkunden zusammensetzen, kann sich dies für Kleinunternehmer positiv auf die Leistung auswirken, da diese, aufgrund der nicht ausgewiesenen Umsatzsteuer, günstiger angeboten werden kann.

Der wesentliche Nachteil bei der Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung ist jedoch, dass man bei Ausgaben keine Vorsteuer in Abzug bringen kann. 

Zusätzlich muss als Kleinunternehmer weder eine Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) abgegeben werden, noch muss eine Umsatzsteueridentifikationsnummer (UID) beim Finanzamt angefordert werden.

Besteht der Großteil der Kunden hingegen vorwiegend aus umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen, so erweist sich ein Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung als vorteilhaft, da diese Unternehmen ebenfalls vorsteuerabzugsberechtigt sind und schließlich nur den Nettobetrag zahlen müssen, da sie die entrichtete Umsatzsteuer vom Finanzamt wieder zurückerhalten. In diesem Zusammenhang müssen die erbrachten Leistungen mit Umsatzsteuer verrechnet werden und gleichzeitig darf dabei den getätigten Ausgaben die Vorsteuer in Abzug gebracht werden.  

Bei Fragen zu diesem Thema steht Ihnen Ihr UNICONSULT-Berater gerne zur Verfügung.

 

FRAGEN ZUM

THEMA?

Gracjano Kabilo B.Sc.

+43 50885 – 653

gracjano.kabilo@uniconsult.at

Das könnte Sie auch interessieren:

Print Friendly, PDF & Email

YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?