In der kühlen Jahreszeit mehrt sich wieder die Anzahl der Krankenstände in den Betrieben. Doch welche Verpflichtungen treffen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und welche Konsequenzen zieht eine Beendigung des Dienstverhältnisses während dem Krankenstand nach sich?

Meldepflicht der Arbeitnehmer

Die Arbeitnehmer sind verpflichtet, dem Arbeitgeber ohne Verzug die Dienstverhinderung bekannt zu geben. Kommt der Arbeitnehmer dieser Pflicht nicht nach, verliert er für die Dauer der Säumnis den Anspruch auf das Krankenentgelt. Diese Meldepflicht ist aber von der Verpflichtung zur Vorlage einer ärztlichen Krankenstandsbestätigung zu unterscheiden. Noch immer ist der Irrtum verbreitet, dass das Aufsuchen eines Arztes erst nach einer Krankheit von mehr als drei Tagen notwendig ist. Der Arbeitgeber kann die Arbeitnehmer vielmehr bereits am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit zur Vorlage einer ärztlichen Bestätigung auffordern. 

Krankenstand und Zeitausgleich/Urlaub

Erkrankt der Arbeitnehmer während einem vereinbarten Zeitausgleich, hat dieser Krankenstand auf das Arbeitsverhältnis keine Auswirkungen. Das bedeutet, dass der Zeitausgleich durch den Krankenstand nicht unterbrochen wird. Da in diesem Zeitraum keine Verpflichtung zur Erbringung einer Arbeitsleistung besteht, liegt auch kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung vor. Eine spezielle Regelung im Urlaubsgesetz sieht allerdings vor, dass eine Erkrankung während eines Urlaubs, die länger als drei Kalendertage dauert zu einer Unterbrechung des Urlaubs führen kann.

Kündigung oder Einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses vor oder während eines Krankenstandes

Grundsätzlich berührt ein Krankenstand eine Kündigung nicht. Jedoch ist zu unterscheiden, wer die Kündigung ausgesprochen hat, und ob die Erkrankung vor oder nach dem Ausspruch der Kündigung eingetreten ist. Differenziert wird hier zwischen zwei Konstellationen:

1. Der Dienstgeber spricht die Kündigung während dem Krankenstand aus bzw. die Einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses wird während dem Krankenstand vereinbart.

Um zu verhindern, dass sich Arbeitgeber von der Pflicht zur Zahlung des Krankengeldes durch Kündigung des Arbeitsverhältnisses befreien, besteht der Anspruch der Arbeitnehmer auf Fortzahlung des Entgelts bis zur Ausschöpfung des Anspruches auf Krankengeld oder dem vorherigen Wiedereintritt der Arbeitsfähigkeit. Nach dem Ausfallsprinzip ist hier jenes Entgelt zu bezahlen, welches dem Arbeitnehmer gebührt hätte, wenn keine Arbeitsverhinderung eingetreten wäre. 

Seit 1.7.2018 besteht dieser Anspruch der Arbeitnehmer auf Entgeltfortzahlung auch bei einer Einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses während dem Krankenstand. 

Von diesem Zeitpunkt zu unterscheiden ist das arbeitsrechtliche Ende des Dienstverhältnisses. Dieses tritt mit Ablauf der Kündigungsfrist ein und ist für die Berechnung des offenen Resturlaubes, der fiktiven Sonderzahlungen und einer allfälligen Abfertigung maßgebend. Vollendet beispielsweise ein Arbeitnehmer nach dem Ende des Dienstverhältnisses, aber noch während dem Bezug von Krankenentgelt das 25. Dienstjahr, hat dies auf die Berechnung der Abfertigung alt keinen Einfluss mehr (es tritt also keine Erhöhung von neun auf zwölf Monatsentgelte ein).

Zusammenfassend bedeutet dies, dass eine gesetzliche Verpflichtung zur Leistung eines Krankenentgeltes auch über das Ende des Arbeitsverhältnisses bestehen kann. Allerdings nur solange der dienstzeitabhängige Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht, bzw. bis zum vorherigen Wiedereintritt der Arbeitsfähigkeit. 

 

2. Die Kündigung wird vom Arbeitnehmer vor oder nach Eintritt der Erkrankung oder vom Dienstgeber vor Eintritt der Erkrankung ausgesprochen. 

In diesem Fall erhält der Arbeitnehmer sein Krankenentgelt längstens bis zum Ablauf der Kündigungsfrist. Der Kollektivvertrag kann hier eine günstigere Vereinbarung für den Arbeitnehmer treffen.